Samtgemeinde Tostedt
 
 

Auszug - Bericht eines Vertreters der Fachhochschule Lübeck zur Bearbeitung eines Aktionsplanes "Lebenswertes Tostedt"in Anlehnung an die UN-Behindertenrechtskonvention  

Planungs- und Umweltausschuss
TOP: Ö 8
Gremium: Planungs- und Umweltausschuss der Gemeinde Tostedt Beschlussart: (offen)
Datum: Di, 15.07.2014 Status: öffentlich
Zeit: 18:00 - 20:41 Anlass: Sitzung
Raum: Großer Sitzungsraum
Ort: Schützenstraße 26 a, 21255 Tostedt
07.16/146 Bericht eines Vertreters der Fachhochschule Lübeck zur Bearbeitung eines Aktionsplanes "Lebenswertes Tostedt"in Anlehnung an die UN-Behindertenrechtskonvention
   
 
Status:öffentlich  
Federführend:FD Bauleitplanung   
 
Wortprotokoll
Beschluss

 

Herr Zahn begrüßt Herrn van Triel von der Fachhochschule Lübeck. Herr van Triel erklärt, dass er als Lehrbeauftragter das Fach „barrierefreies Bauen“ unterrichtet. Anhand einer Power-Point-Präsentation stellt Herr van Triel zunächst grundlegende Vorgaben dar, die ein gleichberechtigtes Leben, Wohnen und Arbeiten aller Men­schen fordert (UN-Konvention, Grundgesetz, Niedersächsische Bauordnung). Er be­richtet, dass er gemeinsam mit den Studierenden für den Ort Bredstedt (ca. 5.000-6.000 Einwohner) im Landkreis Nordfriesland einen Masterplan für die Daseinsvor­sorge ausgearbeitet hat. Am Beispiel des Ortes Bredstedt stellt Herr van Triel an­schaulich dar, welche Daten von den Studierenden ermittelt worden sind. Es wurde z.B. der Bestand an vorhandenem Wohnraum und die Infrastruktur erfasst. Des Weiteren wurde für ein denkmalgeschütztes Gebäude die Nutzung als Jugend­her­berge mit Saunabereich und einem Café als Vorschlag erarbeitet. Herr van Triel weist auf Nachfrage darauf hin, dass es sich hierbei um Ideengebungen handelte, die im Zuge eines Wettbewerbs den Ministerien vorgelegt wurden.

Für den Hansetag in der Stadt Lübeck sollte das Thema „barrierefreie Gastronomie“ unter­sucht werden. Die Bestandsaufnahme der einzelnen Gastronomie durch die Studierenden führte zu einem katastrophalen Ergebnis. So hatten die meisten Res­taurants behindertenge­rechte WCs, jedoch keine behindertengerechte Eingangsbe­reiche.

Auf die Frage von Herrn Zeidler antwortet Herr van Triel, dass ihm nicht bekannt ist, dass Gastronomiebesitzer für die Errichtung einer Rampe Fördermittel erhalten. Hier könnte die Gemeinde unterstützend tätig werden, sofern die entsprechenden Mittel vorhanden sind. Auf Nachfrage erklärt Herr van Triel, dass die Fachhochschule eine Hochbauschule (Schwer­punkt Architektur) ist und sich daher gar nicht mit dem öf­fentlichen Verkehrsraum aus­einan­dersetzt.

Auf die Frage, wie das Verfahren zur Erarbeitung eines Aktionsplanes aussieht, ant­wortet Herr van Triel, dass zunächst die Handlungsfelder, die bearbeitet werden sol­len, festgelegt werden. Diese Ausarbeitung geschieht ohne Anspruch auf Vollstän­digkeit. Des Weiteren wird keine Planungsleistung, die HOAI-pflichtig wird, erarbeitet. Es wer­den vielmehr Verbes­serungspunkte aufgeführt.

 

Herr Johannsen erklärt, dass in der „Krechsiedlung“ viele alte Menschen wohnen. Die mehr­geschossigen Wohnblocks, die in den 70-iger Jahren errichtet worden sind, besitzen keine Aufzüge. Hier leben mehrere 1.000 Menschen und die älteren Men­schen können ihre Woh­nungen schlecht oder gar nicht verlassen. Herr Johannsen fragt, wie die Eigentümer von den Verbesserungsvorschlägen erfahren und diese Anregungen ggf. auch zur Umsetzung gebracht werden können.

 

Herr van Triel erläutert, dass bisher nur öffentliche Gebäude untersucht worden sind und weniger die Privatgebäude.

 

Herr Zahn bedankt sich für den Vortrag bei Herrn van Triel und verabschiedet die­sen.

 

Herr Buhmann berichtet, dass die Fachhochschule Erfurt Untersuchungen im öffent­lichen Raum durchführt.

 

Herr Seute macht deutlich, dass die Aufgabenstellung für die Verwaltung festgelegt werden muss. Er erklärt, dass die Fachhochschule Lübeck sich nur mit der Untersu­chung von Hoch­bauten beschäftigt. 

In einem ersten Schritt könnten die Studierenden die vier Gebäude der Gemeinde Tostedt  zum Thema Barrierefreiheit untersuchen. Danach könnten dann öffentlich zugängliche Gebäude, wie Restaurants, Geschäftshäuser, Arztpraxen etc. und auch die „Krechsiedlung" begutachtet werden.

Des Weiteren steht die Frage im Raum, eine andere Fachhochschule für die Untersu­chung des öffentlichen Raumes (Straßen, Wege, Plätze) zu beauftragen. Dann be­steht auch noch die Möglichkeit eine Institution ausfindig zu machen, die eine Ge­samtbetrachtung vornehmen könnte.

 

Herr Johannsen spricht sich dafür aus zweigleisig zu fahren. Die gemeindeeigenen Gebäude und die „Krechsiedlung“ sollen von den Studierenden der Fachhochschule Lübeck untersucht werden. Die Betrachtung der öffentlichen Flächen soll von einer anderen Univer­sität durchgeführt werden.

 

Herr Degen fragt, ob es Auflistungen gibt, in denen die Behinderungen der einzelnen Behin­derten erfasst sind und wo diese ihren Lebensmittelpunkt haben. Denn so könnte z.B. auf akustische Signalgeber an Ampeln verzichtet werden, wenn in die­sem Bereich keine Sehbe­hinderten wohnen. Des Weiteren stellt er fest, dass das Rathaus behindertenfreundlich er­richtet worden ist.

 

Für Herrn Koslowski ist es wichtig, dass zunächst mit den Flächen, die im öffentli­chen Bereich liegen, angefangen wird. Hier sieht er größere Probleme als in öffentli­chen Gebäu­den.

 

Herr Buhmann weist darauf hin, dass die Gebäude der “Krechsiedlung“ aus den 70-iger Jah­ren stammen und diese dringend energetisch saniert werden müssen. Hier könnte den Eigentümern Denkanstöße zum behindertengerechten Umbau gegeben werden. Er stellt fest, dass es egal ist, welche körperlichen Einschränkungen ein Mensch hat, wenn die weit­reichendsten Bedürfnisse berücksichtigt werden, kommen diese Maßnahmen allen zu gute.

 

Herr Hasler vertritt die Meinung, dass eine Gesamtbetrachtung zu teuer werden würde. Er spricht sich dafür aus, zunächst durch die Studierenden der Fachhoch­schule Lübeck den Bereich untersuchen zu lassen, in dem das öffentliche Leben stattfindet. Hierzu gehören Restaurants und Geschäftshäuser. Als zweiten Schritt sollte dann eine andere Fachhoch­schule den öffentlichen Raum untersuchen.

 

Herr Netzel meint, dass der öffentliche Bereich, der am meisten genutzt wird, zuerst betrachtet werden sollte. Für ihn sind das die Geschäftshäuser und das gesamte Gesund­heitswesen. In einem zweiten Schritt sollte dann der öffentliche Bereich, wie Straßen, Wege und Plätze untersucht werden. Die privaten Wohnungen sollten auch begutachtet werden, allerdings nicht als erster Schritt.

 

Herr Voigtländer erklärt, dass nicht alle Bereiche gleichzeitig abgearbeitet werden können. Er schlägt vor, zunächst die gemeindlichen Gebäude und danach die öffent­lich zugänglichen Gebäude von der Fachhochschule Lübeck untersuchen zu lassen. Herr Voigtländer spricht sich dafür aus, der Beschlussempfehlung zu folgen.

 

Herr Seute macht darauf aufmerksam, dass es keinen guten Eindruck macht, wenn zuerst der private Bereich untersucht wird. Hier könnte Kritik an der Vorgehensweise geübt werden. Er schlägt vor, zuerst die öffentlichen Gebäude und dann die privaten, öffentlich zugängli­chen Gebäude untersuchen zu lassen. Er bedauert es, dass die­ses Thema nicht auf der Samtgemeindeebene behandelt wird. Hier gibt es deutlich mehr Liegenschaften als bei der Gemeinde Tostedt.

Man sollte nun vielleicht einfach als Gemeinde Tostedt sagen, dass die öffentlichen Einrich­tungen im Gebiet der Gemeinde Tostedt mit Zustimmung der Eigentümer (Samtgemeinde Tostedt, Landkreis Harburg, Amtsgericht, Deutsche Bahn) zunächst untersucht werden, um diesen evtl. Denkanstöße zu diesem Thema zu liefern. An­schließend als 2. Step die öffent­lich zugänglichen Gebäude wie Läden, Restaurants etc.

 

Herr Zahn stimmt dem Vorschlag von Herrn Seute zu.

 

Die Ausschussmitglieder sind sich einig, dass der Tagesordnungspunkt als behan­delt ange­sehen wird und die Fraktionen eine Aufgabenstellung bis zur Sitzung des Verwaltungsaus­schusses formulieren.